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Bewegung

 

Was macht Bewegung und wie sorge ich für Bewegung?!!

Das Wichtigste für eine gesunde Entwicklung ist, Bewegungs- und Sinneserfahrungen zu sammeln. Durch diverse Kurseinheiten wurde mir erst richtig bewusst, wie viel hinter dem Wort „Bewegung“ wirklich steckt. Schon der Druck, der beim Krabbeln auf die Hände ausgeübt wird, ist wichtig für die Tiefensensibilität und Feinmotorik und somit schon ein wichtiger Bewegungsablauf für das spätere Leben.

In Fachkreisen ist bekannt, dass Kinder die das Krabbeln übersprungen haben, weil sie zu früh hingesetzt wurden und an den Händen gehalten das laufen gelernt haben, Defizite entwickelten die sich auf das spätere Leben und schulischen Leistungen auswirkt haben.

Bitte lasst euren Kindern die Zeit, es selbst zu schaffen!!! Nur so kann der Körper sich auf seine zukünftigen Aufgaben vorbereiten und entsprechend entwickeln.

Durch die Grundhaltung beim Krabbeln und die ausgeführte Überkreuzbewegung werden frühkindliche Körperreflexe abtrainiert, die sich auf unsere Körperhaltung auswirken und zu Problemen bei späteren Lernprozessen führen können. 

An dieser Stelle möchte ich gerne eine Seite verlinken, die viele wichtige aber leider den meisten Eltern unbekannte Informationen vermitteln kann. Diese Informationen sollten Eltern bestenfalls schon vor der Geburt ihres Kindes bekommen.

Physiotherapie Mareike Dornheim

Mit Bewegung können wir ganzheitlich die motorische, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung der Kinder fördern. Durch seinen Forschungsdrang ist es ein Grundbedürfnis eines jeden Kindes, sich zu bewegen in Form von krabbeln, kriechen, klettern, hangeln, springen, hüpfen und rennen, balancieren, rutschen, wippen und schaukeln. Dadurch erfahren die Kinder ihren Körper und sie können Grenzen austesten und erweitern. Sie trainieren ihre Motorik und Körperkoordination, stärken ihr Selbstvertrauen und entwickeln ihr Selbstbewusstsein.

Des Weiteren dient ein gut ausgeprägter Gleichgewichtssinn und gut trainierte Motorik auch der Unfallprävention, denn sie stürzen weniger, können sich durch ihr gutes Körperbewusstsein selbst besser fangen bzw. einen Sturz bewusster und besser abfangen.

Raumvorstellung entsteht, indem die Kinder in Bezug auf ihren eigenen Körper einordnen können, was sich vor, hinter, neben oder über ihnen befindet. Durch die Bewegung lernen sie die Unterschiede zwischen langsam, schnell, hoch, tief und den damit verbundenen Risiken. 

Durch einige Bewegungsabläufe werden wichtige Bereiche im Gehirn miteinander vernetzt, diese Kommunikation zwischen einzelnen Hirnregionen ist Voraussetzung für das Denken. Des Weiteren ist Bewegung oft mit sozialer Interaktion verknüpft.

Ich sehe es als meine Aufgabe, den Kindern für ihr Bewegungs- und Umweltbewusstsein entsprechende Räume und Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, um sie so in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Was hat Bewegung mit Emotionen zu tun? 

Das fragt sich wohl so mancher Erwachsener in seinem Alltagstrott. Die ersten Versuche frei zu stehen, die ersten Schritte, Sprungversuche und vieles anderes wird begleitet von Unsicherheit. Klappt es dann, sieht man in stolze Gesichter.

Mit dem Wille es immer weiter und besser zu machen, krabbeln, rennen, rollen und springen sie irgendwann herum und zeigen wie viel Freude es ihnen bereitet. Mit Begeisterung stellen sie sich neuen Herausforderungen, gelingt etwas nicht, werden schmerzliche Erfahrungen gesammelt und die Angst wird sich auch hin und wieder bemerkbar machen. Wir merken, Gefühle sind unser ständiger Begleiter, auch bei dingen, die so normal und alltäglich erscheinen.

Wie setze ich dies in der Praxis um?

Es gibt in meinen Räumlichkeiten, einige Objekte, die zum krabbeln, klettern, laufen etc. animieren.

Dazu gehören Balancekissen, ein Kletterbogen mit Rutsch/Kletterbrett, ein Pikler dreieck, Balance Board, Sprossenwippe, Zugtiere oder Fahrzeuge, die sie hinter sich herziehen können, sowie Polsterbausteine

Bei den Polsterbausteinen, die man sehr vielfältig einsetzen kann, sei es als Bewegungsinsel oder als Parcours hintereinandergelegt, zeigen die Kinder einen Riesenspaß beim darüber laufen und klettern. Durch die Wellen- oder Keilform, sowie Rundungen der Bausteine müssen sie sehr viel ausbalancieren und trainieren dadurch auch Geschick, Trittsicherheit sowie Gleichgewicht. Es kommt auch vor, dass die Polsterbausteine trotz ihrer Größe weggezogen, getragen oder sogar gestapelt werden.

Ein weiteres, gern genutztes Objekt, ist das Schaukelpferd. Das erklimmen sie immer wieder gerne für einen kleinen Ausritt zwischendurch. Die einen trainieren noch fleißig ihren Gleichgewichtssinn und die Motorik, um das Pferd in Bewegung zu setzen, während die anderen den Rhythmus schon gefunden haben und sich an den fließenden Schaukelbewegungen erfreuen und scheinbar etwas entspannen.

Der Kletterbogen und das Pikler dreieck mit seiner Rutsche ist nicht aus den Räumlichkeiten wegzudenken und am wenigsten in Nichtbenutzung. Unter den Bogen krabbeln, an den Stangen hochziehen, darüber klettern mit oder ohne anschließender Rutschpartie, es wird eigentlich immer irgendwie genutzt.

Beim Überklettern kann man oft beobachten, was es für ein Kraftakt ist und wie die Koordination des eigenen Körpers trainiert wird, da es nur gelingt, wenn man den ganzen Körper und den Kopf einsetzt. 

Herausforderung Balancekissen! Ein rundes, ca. 30 cm großes, luftgefülltes Kissen, eine Seite leicht geriffelt, die andere mit Noppen. Sie vermitteln ein interessantes Gefühl an den Füßen und es bedeutet Arbeit für den ganzen Körper, darauf stehen zu bleiben. Auch hier geht es oft nicht ohne eine helfende Hand, wo ich als Nächstes noch drauf eingehen möchte.

Auch die Bewegung ist sehr wichtig für die Bindung zu mir als Kindertagespflegeperson. Ihre Neugier und Explorationsdrang lassen sie den Mut fassen, all diese Herausforderungen anzunehmen und auszuprobieren. Auch wenn sie es zunächst nicht alleine schaffen, nehmen sie immer gerne meine Hand und versuchen es erneut mit mir gemeinsam. Dieser Moment, wenn sie wackelig und konzentriert an meinen Händen stehen, birgt ein Erfolgserlebnis, gibt Sicherheit, stärkt und hält das Vertrauen zu mir. Sie merken immer wieder, dass ich für sie da bin und ihnen halt gebe.


Bewegung schafft Ausgleich. 

Es kommt immer wieder vor, dass einem Kind im Freispiel die Ideen ausgehen. Es wird unruhig, fordert Aufmerksamkeit, macht evlt. Sachen, die wir oder die anderen Kinder in der Gruppe nicht so toll finden.

Auch hier lässt sich oft mit recht einfachen Mitteln Abhilfe schaffen, indem man sich dem besagten Kind annimmt und zum Beispiel das Stehen auf so einem Balancekissen übt. Man macht es vor, bietet es an und wenn alles gut läuft, wird das Angebot von dem Kind angenommen und es möchte auch einen Versuch starten.

Das Kind genießt meine Aufmerksamkeit, konzentriert sich auf die wackelige Angelegenheit, somit arbeiten Gehirn und Körper gleichermaßen und meist ist nach ein paar Minuten auch schon die Konzentration am Ende und das Kind sucht von ganz alleine wieder einen Spielpartner, klinkt sich in die Gruppe ein oder beschäftigt sich selbstständig.

Ist die ganze Gruppe gerade sehr unruhig, hilft es auch oft, alle zur gemeinschaftlichen Bewegung anzustiften. Das gelingt oft recht gut, indem man nicht darüber nachdenkt, wie man die Aufmerksamkeit bekommen kann, sondern einfach macht!

Man(n) laufe einmal quer durch den Raum, werfe sich auf eine Polstermatte und fängt an, mit den Beinen zu strampeln. Alle Kinder gucken zunächst etwas verdutzt und machen nach einem kurzen Moment alles nach. Krabbel ich über die Polstersteine, krabbeln sie hinterher. Nacheiner Weile gemeinsamer Bewegung wenden die ersten Kinder sich wieder ab, allmählich gehen alle wieder ihren eigenen Interessen nach und der ganze Spuk ist vorbei.

Aus bisheriger Erfahrung kann ich sagen, dass Kinder sehr viel Spaß am Springen haben. Auch hier funktioniert es recht gut, sich in den Raum zu stellen und mit einem ausgerufenen „Hop“ auf der Stelle zu springen.

Die Kleinsten möchten diese „Hopser“ auch lernen, üben alleine oder an den Händen gehalten und die etwas Größeren können hier schon als Vorbild agieren und hopsen fleißig mit.

Bei all den genannten Aktivitäten, ist selten ein Kind alleine. Zeigen wie es geht, vormachen und nachahmen, Hilfestellung geben oder einfach gemeinsam Spaß an der Bewegung haben, Bälle gegenseitig zurollen, andere in einem Wagen ziehen oder schieben, all das bedeutet soziale Interaktion und ist ein wichtiger Bestandteil für das weitere Leben.

Einen weiteren wichtigen Punkt sehe ich im Bezug auf das psychische Wohlbefinden.

Ja, Kinder im U3 Bereich sind natürlich noch nicht den Alltagsbelastungen ausgesetzt wie Kinder im Schulalter oder wir Erwachsen, dennoch sorgt Bewegung auch bei den Kleinsten unter uns für Ausgeglichenheit.

Auch sie sind so manches Mal verärgert, frustriert oder traurig weil etwas nicht klappt. Hier kann Bewegung genau wie bei uns Erwachsenen Abhilfe schaffen, denn auch sie können schon früh Strategien entwickeln, um sich selbst zu beruhigen.

Nicht umsonst treiben viele Leute die im Berufsleben viel sitzen, Sport um einen Ausgleich zu schaffen, andere machen den Kopf frei nach einem anstrengenden Tag oder müssen sich abreagieren.

Wie schon erwähnt, konnte ich beobachten, dass manche Kinder auf dem Schaukelpferd sehr ruhig wirken. Wenn ein Kind gelernt hat wie man auf das Schaukelpferd klettert und herausgefunden hat, wie man damit schaukelt, kann es durchaus sein, dass es das Schaukelpferd immer dann aufsucht, wenn es sich nicht gut fühlt.

Somit hat das Kind eine Strategie entwickelt, um sich selbst mit Bewegung zu beruhigen. Diese Beobachtung kann mir wiederum dienlich sein, da ich weiß, dass sich das Kind durch schaukeln gut beruhigen lässt.

Fazit:

Bewegung ist so viel mehr als einfach nur Körperteile bewegen oder Präventivmaßnahme bzw. Abhilfe bei Übergewicht. Frühe, vielseitige und reichlich Bewegung stellt sozusagen in der Entwicklung einige Weichen für das spätere Leben.